Olympia-Kolumne: Pikachus Donnerschlag

Ja, ja, … die vielen Ablenkungen bei Olympia. Wie soll man sich da bloß auf seinen eigentlichen Job als Sportler, Betreuer, Funktionär oder Journalist konzentrieren … Über Begegnungen der speziellen Art hatten wir gestern an dieser Stelle schon berichtet. Heute geht es um Begegnungen der virtuellen Art. Beiden gemein ist, dass sie – wenn man nicht aufpasst – extrem teuer werden können.

Davon kann der japanische Kunstturner Kohei Uchimura ein Liedchen trällern. Mehrfacher Weltmeister ist er schon, Olympiasieger auch. Jetzt will er offenbar lieber via Pokémon Go Medaillen sammeln und Pokemon-Meister werden. Deshalb stellte er lieber an den PokéStops in Rio Taubsi, Rattfratz und Pummeluff nach, als für die Titelverteidigung zu trainieren.

Doch das böse Erwachen folgte und traf ihn wie Pikachus Donnerschlag – in Form seiner Mobilfunkrechnung. Uchimura hatte nämlich vergessen, dass auch virtueller Sternenstaub mit harten Yen bezahlt werden muss. Und das dank Daten-Roaming in Brasilien sogar doppelt und dreifach. Umgerechnet 4400 Euro kosteten Uchimura seine mittlerweile allerdings beachtliche Pokémon-Sammlung.

Eine Summe, die auch ein hochdekorierter japanischer Kunstturner nicht mal so eben lächelnd wegdrückt. Allerdings half ihm seine Prominenz. Denn sein Provider ließ sich breitschlagen, ihn rückwirkend auf einen Auslandstarif umzustellen. Und der kostet Uchimura nur 27 Euro pro Tag. Angesichts der Länge der Spiele allerdings auch nicht grad ein Schnapper.

Aber Gott sei Dank ist Uchimura Japaner. Holt er eine Olympia-Medaille, braucht er sich keine Gedanken um die Refinanzierung der Flat machen. Der japanische Staat lässt schließlich umgerechnet knapp 9000 Euro pro gewonnene Bronze-, 18.000 für Silber- und 44.000 für Goldmedaillen springen.

Wäre Uchimura Schwede, sähe das ganz anders aus. Dort speist das NOK Medaillengewinner mit einem feuchten Händedruck und einem Plüschtier ab – einem kleinen für Bronze, einem mittleren für Silber und einem großen für Gold. Obwohl … über einen lebensgroßen Pikachu würde sich Uchimura sicher auch riesig freuen.

Malte Asmus

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